Drucken

Stellungnahme der DGKJP zum Arbeitsentwurf eines „Gesetzes zur Reform des Psychotherapeutengesetzes"

Die DGKJP fordert die adäquate Vermittlung altersspezifischer Behandlungskompetenzen in der Psychotherapie und sieht folgende Punkte in dem aktuellen Arbeitsentwurf des BMG als besonders kritisch:

Eine einheitliche Approbation für eine Berufsbezeichnung, die noch keinen Namen hat und die für die selbständige und umfassende psychotherapeutische Versorgung von Patientinnen und Patienten aller Altersstufen mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren qualifizieren soll (s. Gesetz §7, Absatz 1), mag eine Reihe von Vorteilen haben. Dennoch sieht die DGKJP die große Gefahr, dass dieses Reformmodell mit einer Verschlechterung der Qualifikation für die Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen einhergeht. Daher fordert die DGKJP, dass in der Legaldefinition auf die Notwendigkeit der ausreichenden Vermittlung altersspezifischer Behandlungskompetenzen in Theorie und Praxis hingewiesen wird und in der noch ausstehenden Approbationsordnung die spezifischen Inhalte der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie definiert und ausreichend abgebildet werden. Entsprechend der Anteile von Kindern und Jugendlichen in der psychotherapeutischen Versorgung muss mindestens ein Drittel der zu vermittelnden Inhalte die Spezifika der Behandlung von Kindern und Jugendlichen abdecken. Solche Pflicht- und mögliche freie Anteile müssen sowohl für den ersten Studienabschnitt als auch für den zweiten Studienabschnitt spezifisch definiert und entsprechend in der ersten und zweiten psychotherapeutischen Prüfung zur Erlangung der Berufszulassung abgeprüft werden, um sicher zu stellen, dass mit der zukünftigen Approbation tatsächlich eine Behandlungskompetenz auch für Kinder und Jugendliche erworben wird. Auch die praktischen Tätigkeiten müssen zum Teil in Behandlungseinrichtungen (inklusive Praxen mit psychotherapeutischer Behandlung von Kindern und Jugendlichen) verbracht werden, um hier eine einschlägige Qualifikation zu ermöglichen. Die berufsqualifizierende Tätigkeit im ersten und zweiten Studienabschnitt muss unbedingt auch Inhalte der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie einschließlich der notwendigen Arbeit mit den Eltern umfassen. Ohne eine explizite Ausführung der altersspezifischen Kenntnisse und Kompetenzen in der Approbationsordnung sieht die DGKJP die Gefahr, dass je nach Standort eine völlig unzureichende Vermittlung von kinder- und jugendlichenpsychotherapeutischen Fähigkeiten erfolgt und somit die psychotherapeutische Behandlungsqualität für Kinder und Jugendliche eine Verschlechterung im Vergleich zum jetzigen Modell erfährt.

Im Vergleich zum ersten Entwurf des BMG wurden in dem aktuellen Arbeitsentwurf die Praxisanteile deutlich reduziert und ein Praxissemester entfällt. In der aktuellen Fassung werden im Bachelorstudium, das insgesamt 5400 Stunden (bzw. 180 ECTS-Punkte) umfasst, 540 Std. Praktika gefordert und 740 Std. im Masterstudium. Dies ist deutlich weniger als das z.B. im Medizinstudium der Fall ist, obwohl das BMG sonst sehr bemüht war, eine möglichst analoge Struktur umzusetzen, ein Anliegen, das die DGKJP vollumfänglich unterstützt. Die DGKJP fordert deshalb, dass eine Approbation für eine psychotherapeutische Tätigkeit nur dann erteilt werden darf, wenn es analog zum Medizinstudium ausreichend Gelegenheit gab, Kenntnisse in der Praxis unter Anleitung anzuwenden sowie umfassende, altersübergreifende Praxiserfahrungen zu sammeln. Denn trotz aller sinnvollen Bemühungen und damit verbundener Erfolge zu einer weiteren Standardisierung und Manualisierung der Diagnostik und Psychotherapie ist gerade bei Kindern und Jugendlichen aufgrund des Entwicklungsaspekts und deutlicher am „System Familie“ ausgerichteten Vorgehensweise das Lernen im Praxisalltag unter Supervision durch nichts zu ersetzten. Zudem müssen Therapietechniken korrekt gelernt und durchgeführt werden, das theoretische Wissen alleine reicht nicht aus.

Im neuen Arbeitsentwurf des BMG werden Modellstudiengänge aufgeführt, die die Zusatzqualifikation "Medikamenten-verordnung" mit sich bringen sollen. Auch wenn die DGKJP es für äußerst wichtig hält, dass zukünftige nicht-ärztliche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ein fundiertes Wissen über Psychopharmakotherapie besitzen, da die leitlinienkonforme Behandlung mancher Störungsbilder im Kindes- und Jugendalter kombinierte pharmakologische und psychotherapeutische Behandlung vorsieht, kann die DGKJP sich nicht vorstellen, dass ein therapeutischer Heilberuf ohne entsprechende medizinische Ausbildung Medikamente verschreiben oder weiterverschreiben kann. Eine korrekte Indikationsstellung von Psychopharmaka erfordert die Berücksichtigung des gesamten medizinischen Status, umfassende Kenntnisse in Entwicklungspsychopharmakologie und der Besonderheiten des kindlichen Organismus. Die hohe Komplexität der Psychopharmakotherapie im Kindes- und Jugendalter zeigt sich auch in einem gegenüber Erwachsenen unterschiedlichen Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil und anderen Dosisbereiche

Berlin, 29.08.2017

Für den Vorstand: Tobias Banaschewski

 DGKJP Stellungnahme zum Arbeitsentwurf eines Gesetzes zur Reform des Psychotherapeutengesetzes